Der Schützenverein Germania 1900 Wiesenthau e.v.

 

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100 Jahre sind nicht viel im Vergleich mit der viel längeren Tradition so mancher Schützenvereine. Aber sie sind doch schon eine stolze Bilanz, angesichts derer es erlaubt sein mag, Rückschau zu halten, stellt man in Rechnung, dass es sich heute um einen lebendigen und aktiven Verein handelt, der seine Hauptaufgabe nicht darin sehen muss, Kränze niederzulegen an den Gräbern derer, die einmal aktiv waren, sondern der heute seiner Zweckbestimmung, dem Schießsport, viel stärker gerecht wird, als das in den alten Zeiten der Fall war.

 

Die Germania ist ein Jahrhundertverein, sie geht mit dem Jahr wie man sagt. Denn sie wurde im Jahr 1900 gegründet. Im Protokollbuch finden wir folgendes auf der ersten Seite vermerkt:

 

In der am 8. Dezember 1900 stattfindenden Zusammenkunft haben wir uns entschlossen, einen Verein zu gründen, welcher den Namen ”Zimmerstutzen-Gesellschaft Germania” haben soll. Jeder unbescholtene Mann, welcher statutengemäß das achtzehnte Lebensjahr zurücklegt, kann diesem Verein durch Entrichtung der Aufnahmegebühren beitreten. Bei der Gründung sind folgende Mitglieder, geeinigt durch vorhergehende Besprechung, beigetreten.”

 

Dann kam der II. Weltkrieg, der nicht nur so manchen Schützenbruder hinwegraffte, sondern in seiner Folge auch ein Verbot aller Schützenvereine mit sich brachte. Ende 1951 fuhr Konrad Lohmüller und beantragte bei der Militärregierung eine Lizenz und am 2. Dezember fand man sich dann wieder zusammen. Es wird wieder regelmäßig geschossen, die alten Schießtraditionen werden wieder aufgenommen. Ein gutes Jahr später kürt man Ludwig Dummert zum 1. Schützenkönig, 1954 wird Heinrich Böhmer erster Jungschützenkönig.

Das Jahr 1954 brachte dem Verein wohl das bisher größte Ereignis seiner bisherigen Geschichte. Eine Fahne die die Germania zierte, wurde angeschafft und im Rahmen mehrtägiger Feierlichkeiten geweiht. Die Patenschaft hatte der Verein ”Edelweiß Reuth” übernommen.

Einen deutlichen Aufschwung nahm der Verein nachdem Hans Weisel am 22. Januar 1984 zum 1. Vorstand gewählt wurde. Nicht nur die Veranstaltungen nahmen zu an Quantität und Qualität, auch schießsportlich ging es steil bergauf. Die Jugend wurde zum Training motiviert, die Ergebnisse verbesserten sich und der Nachwuchs sorgte für den so dringend notwendigen Unterbau in den Mannschaften.

Was dem Verein noch fehlte, war die Eintragung ins Vereinsregister. Dies wurde bei einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen und am 10. Januar 1985 wurde unser Schützenverein unter seinem Namen ”Zimmerstutzengesellschaft Germania 1900 Wiesenthau e.V.” ins Vereinsregister unter der Nummer 297 eingetragen.

 

Geselligkeit verbunden mit attraktivem Schießen für passive und aktive Vereinsmitglieder zeigte sich als gute Mischung. So gab es 1986 erstmals wieder ein Zimmerstutzenschießen, die Teilnehmerzahl beim Königsschießen und Brezenschießen stieg kontinuierlich und unsere Jüngsten können ihre Leistungen beim Osterhasen- oder Nikolausschießen unter Beweis stellen.

 

Zwangsläufig führte all dies zu Engpässen im Schießbetrieb, somit war ein Schießstandumbau und –erweiterung von 5 auf 8 Stände im Saale unseres Vereinswirtes im Jahre 1987 unumgänglich. Der Abschluss wurde mit einem Preis- und Pokalschießen im Juli 1987 gefeiert, eingeladen waren unsere Patenvereine Edelweiß Reuth und Tell Schlaifhausen sowie Andreas Hofer Wiesenthau

 

Vielleicht lag es am Umbau, vielleicht an der Nachwuchsarbeit und am Können, jedenfalls gelang unserer 1. Mannschaft in der Saison 88/89 der Aufstieg in die B-Klasse was einen zusätzlichen Leistungsschub und eine Trendwende wie sich später herausstellt, mit sich brachte.

Vom 25.5. bis 27.5.1990 wurde das 90-jährige Vereinsjubiläum mit Preisschießen im April gefeiert und die ersten Ehrenmitglieder in der Vereinsgeschichte ernannt: Heinrich Walter – Hans Erlwein – Eduard Heidner – Konrad Haller – Rudi Drummer – Ludwig Dummert – Josef Lohmüller - Willi Schlegel – Andreas Roppelt.

 

Nicht nur der Aufstieg der 1. Mannschaft, auch die guten Leistungen der anderen Mannschaften waren ein wichtiger Grund nach neuen Räumlichkeiten Ausschau zu halten. Unser Vereinswirt plante eine neue Maschinenhalle, diese war von den Ausmaßen so groß dass man das Dachgeschoss für einen Schießraum und einen Aufenthaltsraum ausbauen konnte. Die Planungsarbeiten und Finanzierung konnten zügig abgeschlossen werden, schon im November 1991 begann man mit den Arbeiten. Nur ein Jahr Bauzeit war notwendig, um das neue Schützenheim im November 1992 erstmals nützen zu können.

 

Trotz der Belastungen durch den Schützenheim Neubau schaffte es unsere 1. Mannschaft abermals als Sieger in der Gauklasse, in die Bezirksklasse nach einem Ausscheidungsschießen am 20.7.1993 auf den Ständen der Königlich privilegierten Hauptschützen Gesellschaft in Forchheim mit den Schützen: Peter Gebhard, Gerhard Kaul, Holger Stöhr und Harald Klinger aufzusteigen.

 

Die Motivation war so groß, dass man nach wiederum nur einem Jahr in der Bezirksliga auch noch in der Saison 1993/94 in die Oberliga aufstieg. Unsere Germania war damit der erfolgreichste Schützenverein im Landkreis Forchheim. (Gebhard Peter, Kaul Gerhard, Stöhr Holger, Klinger Harald).

 

Ein weiterer großer, schießsportlicher Erfolg nach 3 Jahren Oberliga unserer 1. Mannschaft, war die Qualifikation der neugeschaffenen Oberfrankenliga in der Wettkampfsaison 97/98. So wurde zum ersten Mal nach Bundesligaregeln zusammen mit den besten Teams des Bezirkes geschossen.

 

Nicht nur Mannschaftsleistungen waren gefragt insbesondere auch Einzelleistungen. So holte sich im Jahr 99 Christian Drummer mit 684 Ringen auf der Olympia Schießanlage in München-Hochbrück den 5. Platz bei der Deutschen Meisterschaft Luftgewehr Junioren.

 

Peter Gebhard wurde im gleichen Jahr Kreisschützenkönig im Schützengau Oberfranken-West, Kreis Süd mit einem 12,2 Teiler.

 

Der Höhepunkt in unserer Vereinsgeschichte und wohl auch im sportlichen Leben von Christian Drummer war im Jahr 2000 der Titel:

 

Bayerischer Meister Luftgewehr Junioren.

Noch nie in unserer Vereinsgeschichte gelang einem Schützen solch eine Leistung.

Vom 14. – 17. Juni 2001 feierte die Germania ihren 100. Geburtstag. Vorausgegangen war ein Preisschießen welches im Frühjahr abgehalten wurde. Über vier Tage erstreckte sich das Fest, wo man der Toten gedachte die all das vorbereitet und mit aufgebaut hatten, wo man mit den Patenvereinen, vielen anderen Schützenvereinen und den Ortsvereinen ausgiebig feierte. Den Abschluss bildete am Sonntag ein Festzug durch den Ort mit über siebzig Vereinen.

Heute kann die Germania stolz zurückblicken auf das in den letzten 100 Jahren Geschaffene und Erreichte, sowohl im gesellschaftlichen und insbesondere im sportlichen Bereich.